Nachgehakt

"Attraktive Konditionen für den Investor anbieten"

Thomas Stewens, Leiter, BankM

Das GoingPublic Magazin sprach mit Thomas Stewens, Leiter der BankM, zu den derzeitigen IPO-Aussichten am Entry Standard - sind denn seiner Einschätzung nach Börsengänge, nicht nur im Entry Standard, überhaupt realisierbar?

 

GoingPublic: Herr Stewens, die Verunsicherung an den Kapitalmärkten ist groß, die Investitionslaune vieler Anleger tendiert gegen Null. Sind bei einem derartigen Umfeld Börsengänge am Entry Standard theoretisch überhaupt denkbar?

Stewens: Börsengänge sind immer möglich. Das klassische IPO aber, bei dem eine Transaktionsabteilung einer Bank innerhalb einer kurzen Platzierungsfrist bis dato unbekannte Unternehmen an die Börse führt, dürfte für einige Zeit passé sein.

GoingPublic: Welche Börsengänge können Sie sich im aktuellen Umfeld denn vorstellen?

Stewens: Als Grundvoraussetzung muss die Equity Story in das Börsenumfeld passen, sollte nicht stark konjunkturabhängig sein und idealerweise sogar eine Lösung für Zukunftsprobleme ermöglichen. Hier fallen uns Themen wie Energieeffizienz, Clean Tech, Agri-Business, Infrastrukturversorgung in Emerging Markets ein, wie z.B. Russland und Ukraine sowie spezielle Logistik-Themen und starke Geschäftsmodelle im Bereich der Basisversorgung. In all diesen Bereichen sind spannende, auch deutsche Unternehmen, aktiv. Wesentlich für den Platzierungserfolg ist dann allerdings, dass der "Proof of Concept" vorliegt und eine solide Vertrauensbasis zwischen Management und Investor hergestellt werden kann.

GoingPublic: Was raten Sie potentiellen Entry Standard-Kandidaten derzeit?

Stewens: Wenn ich als Unternehmer überzeugt bin, dass ich mit dem zusätzlichen Wachstumskapital in meinem Unternehmen einen immensen Mehrwert für meine Kunden schaffen und so das zur Verfügung gestellte Kapital für den Aktionär besser verzinsen kann als in anderen Anlageformen, dann macht es auch jetzt Sinn, mein Unternehmen auf die Börse vorzubereiten.

GoingPublic: ...was gegenwärtig aber sehr schwierig ist.

Stewens: Bei den derzeit vorgegebenen niedrigen Bewertungsniveaus müssen daher attraktive Konditionen für den Investor angeboten werden. Deshalb sollte der Kapitalbedarf mit dem spitzen Stift kalkuliert werden, um so die Verwässerung für mein Unternehmen möglichst gering zu halten. Zusätzlich sollte ich Partner wählen, die einen Börsengang als Prozess verstehen und nicht als Transaktion. Die Investoren sollten weit im Vorfeld des Börsengangs angesprochen werden, damit sie die Entwicklung des Unternehmens verfolgen und so Vertrauen aufbauen können. In einem solch schwierigen Umfeld bietet sich die von uns ansonsten nicht empfohlene Privat Platzierung mit anschließendem Listing an. Der Börsengang wird so zum Vollzug einer intakten Beziehung zwischen Unternehmen und seinen - zukünftigen - Investoren, wobei die begleitende Bank zum Marktplatz für das Unternehmen wird.

GoingPublic: Herr Stewens, vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Source: GoingPublic Magazine/OnVista, IPO.Newsletter 04/2008

 

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