Momentum

09.06.2020

Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Lufthansa wird teilverstaatlicht. Im Wege einer Kapitalerhöhung soll die Bundesrepublik Deutschland über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) 20 Prozent am Grundkapital des schwer angeschlagenen Flugbetreibers erwerben. Darüber hinaus schießt der WSF noch knapp 9 Milliarden Euro über stille Einlagen und einen Kredit zu. Der Aufsichtsrat der stolzen Kranich-Airline hat dem Plan Ende Mai zugestimmt inklusive EU-Auflagen über einen Verzicht auf 24 Start- und Landerechte an den wichtigen Flughäfen München und Frankfurt. Jetzt fehlt nur noch das grüne Licht der bestehenden Anteilseigner – am 25. Juni fällt die Entscheidung im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung.

Offiziell ist der Ende März im Schnellverfahren aufgelegte WSF noch gar nicht gestartet. Anträge können in Kürze eingereicht werden, heißt es auf der Seite des zuständigen Ministeriums für Wirtschaft und Energie. Auch die finale Umsetzungsverordnung ist noch nicht veröffentlicht. Dass Gelder an die Lufthansa zugesagt wurden bevor Mittelständler überhaupt Antrage stellen können, hat sicherlich ein Geschmäckle. Grundsätzlich ist die Etablierung des bankenunabhängigen WSF aber ein richtiger und konsequenter Schritt in der Krisenbewältigung. 600 Milliarden Euro stehen bereit, um durch die Corona-Pandemie unverschuldet in existenzbedrohende Gefahr geratene Unternehmen vor dem Zusammenbruch zu retten. Der größte Teil davon in Form von Garantien für Schuldtitel. Dieser Ansatz könnte den deutschen Kapitalmarkt gerade für den Mittelstand nachhaltig revitalisieren. Garantiert der Staat die Rückzahlung, werden aus teilweise hochspekulativen KMU-Anleihen auf einmal Staatsanleihen light. Das öffnet das Segment für ganz neue Investorenklassen.

Dass der Kapitalmarkt auch so für Mittelständler attraktiv sein kann, zeigt das Beispiel der Frequentis AG. Aus der Überzeugung heraus, dass ein börsennotiertes Familienunternehmen langfristig die erfolgreichste Unternehmensstruktur ist, wagte der  Spezialist für Control Center Solutions in sicherheitskritischen Bereichen vor rund einem Jahr den Sprung aufs Parkett. Im schwachen IPO-Jahr 2019 überzeugten die Wiener als eines von nur einer Handvoll Unternehmen institutionelle Investoren und Privatanleger trotz schwierigen Umfelds und entwickeln sich auch seitdem positiv. 30 Jahre ununterbrochener Gewinne sprechen für sich. Nicht erst seit Corona sind stabile Geschäftsmodelle in der Gunst der Investoren deutlich gestiegen.

„Constantly profitable“ ist auch Teil der Equity Story von adesso. Kein Wunder also, dass die Aktie des IT-Dienstleisters Ende vergangenen Jahres aus einer mehrjährigen Seitwärtsbewegung ausgebrochen ist. Dabei war die Umsatzentwicklung der Dortmunder auch vorher schon beeindruckend. Luft nach oben gibt es hingegen noch bei den Gewinnen. Weshalb Corona einen positiven Margeneffekt hat, welche Rolle das Produktgeschäft spielt und warum die Zusammenarbeit mit dem polnischen Softwarekonzern Asseco große Hoffnungen weckt, erklärt adesso-CFO Jörg Schroeder im Vorstandsgespräch mit BankM.

Welche Aktien im aktuellen Umfeld noch zu den Gewinnern gehören und auf welchem Rang sich die Lufthansa-Aktie nach dem Fall aus dem DAX wiederfindet, sehen Sie in unserer aktuellen RSL-Analyse. Viel Vergnügen bei der Suche nach Ihren Favoriten und beim Lesen der aktuellen Beiträge wünscht Ihnen,

herzlichst, 
Ihr Axel Rose

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