Momentum

02.04.2020

Vorstandsgespräch

BankM AG – Verlässlicher Partner auch in schwierigen Zeiten

Seit Beginn des Jahres 2020 tritt BankM nicht mehr als Repräsentanz der flatex Bank AG auf, sondern agiert unter der Firmierung „BankM AG“ mit einer eigenen Banklizenz. Im Momentum-Gespräch erläutert Thomas Stewens, der zusammen mit Ralf Hellfritsch und Peter Sang den Vorstand bildet, was die BankM ausmacht, wie der Kapitalmarkt in der Corona-Krise helfen kann und warum er hoffnungsvoll in die Zukunft blickt.

Momentum: Die erfolgreiche Lizensierung als eigenständige Bank war ein wichtiger Meilenstein in der BankM-Firmengeschichte. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Stewens: Die neue Ausrichtung verdeutlicht das unternehmerische Denken und Handeln, das uns von Anfang an mit unseren Kunden verbunden hat. Flexibilität und Handlungsschnelligkeit, zwei ganz große Stärken unseres Teams, können wir so dauerhaft sicherstellen. Insofern unterstreicht die eigene Banklizenz unsere langfristigen Ambitionen - wir möchten unsere Kunden als verlässlicher Partner umfassend und nachhaltig unterstützen und die Herausforderungen der Märkte gemeinsam erfolgreich meistern.

Momentum: Größer als jetzt, könnten die Herausforderungen kaum sein. Haben Sie den Schritt seit Ausbruch der Corona-Krise schon bereut?

Stewens: Schon bei der Gründung der BankM im Jahr 2007 haben wir ein hervorragendes Gefühl für Timing bewiesen. Kurz nach unserem Start begann die Finanzmarktkrise. Bankentürme wurden erschüttert und Staaten gerieten ins Wanken. Vielleicht nicht der beste Zeitpunkt für den Start einer Bank, aber wir haben es geschafft und sind heute als Dienstleistungsplattform mit einem ungewöhnlich breiten Angebot fest am Kapitalmarkt etabliert. Insbesondere bei der Strukturierung von KMU-Anleihen, als Designated Sponsor für Small- und Mid-Cap-Werte oder als Anbieter für die technische Abwicklung von Wertpapierdienstleistungen wie Verbriefungen oder die Übernahme von Zahlstellenfunktionen gehört BankM mittlerweile zu den führenden Kapitalmarktbanken für kleine und mittelständische Unternehmen.

Momentum: Zudem ist die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der flatex Bank AG ja nicht zu Ende….

Stewens: Richtig, auch in der neuen Konstellation bleibt das bewährte Zusammenspiel weitestgehend unverändert. Mit dem Rückenwind aus dem erfolgreichen Jahr 2019 mit Platzierungen als Lead-Bank im Gesamtvolumen von rund EUR 275 Mio. – unter anderem gelang mit der Frequentis AG einer der ganz wenigen erfolgreichen Börsengänge in Deutschland – ist BankM damit gut aufgestellt für die Zukunft.

Vertrauen steht im Mittelpunkt

Momentum: Mit sieben Gründungspartnern in einem kleinen 15-Quadratmeter-Büro gestartet, arbeiten heute fast 20 Professionals für BankM und betreuen weit über 100 Unternehmenskunden. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Stewens: Wir haben die Beziehungen zu unseren Kunden und Partnern sowie zu interessierten Investoren über Jahre hinweg aufgebaut. Dadurch entsteht Vertrauen. Doch Vertrauen muss auch gepflegt werden. Vertrauen braucht persönliche Ansprechpartner, die bleiben. Seit über fünfzehn Jahren arbeiten wir in einem Team als eingespielte Einheit zusammen. Alle unsere Mitarbeiter sind bestrebt, stets als strategische Berater für unsere Kunden zu handeln, um die Realisierung ihrer Ziele auf lange Sicht zu ermöglichen.

Momentum: Mit dem Hausbank-Prinzip langfristiger, auf persönlichem Vertrauen basierender Beziehungen, setzt sich BankM am Kapitalmarkt entscheidend von den vorherrschenden angloamerikanisch geprägten Investmentbanken ab.

Stewens: Ja und zwar ganz bewusst. Denn wir sind der Überzeugung, dass die guten alten Grundsätze einer Hausbank wie Vertrauen und Transparenz, Integrität und Verantwortungsbewusstsein sowie langfristig ausgelegte Geschäftsbeziehungen die zentralen Faktoren sind, um Werte für Emittenten, Investoren und Intermediäre zu schaffen und als Bank einen dauerhaften Erfolg am Kapitalmarkt zu erzielen. Basierend auf dieser Überzeugung haben wir es auch in schwierigem Umfeld immer wieder geschafft, Unternehmen effizient und nachhaltig Zugang zu Kapital zu verschaffen.

Keine Lösungen von der Stange

Momentum: Wie können Sie Ihren mittelständischen Kunden in der aktuellen Situation helfen?

Stewens: Zunächst einmal, indem wir auch in dieser schwierigen Zeit wie gewohnt für Sie da sind. Im Handel, bei technischen Abwicklungen, in den laufenden Projekten oder ganz allgemein als Ansprechpartner zu allen Finanzierungsfragen. Darüber hinaus machen wir uns viele Gedanken wie und wo wir unterstützen können. So sprechen wir aktuell z.B. mit der Politik und den Förderbanken darüber, welche Rolle der Kapitalmarkt übernehmen kann, um einen Teil des Restrisikos der Corona-Hilfskredite zu übernehmen und die durchreichenden Geschäftsbanken zu entlasten. Wir versuchen so einen effizienten Weg zu entwickeln, damit die nachhaltig wirtschaftenden Mittelstandskunden schnell und unbürokratisch die Förderung erhalten, die notwendig ist.

Momentum: Wie sehr hilft es Ihnen, dass Sie gerade in den Anfangsjahren der BankM oft dann gefragt wurden, wenn es besonders komplex wurde?

Stewens: Flexibel zu sein und abseits der gewohnten Wege zu denken, ist gewiss eine der besonderen Stärken von BankM. Während die meisten Banken standardisierte Finanzierungsprodukte vertreiben, fokussieren wir uns auf ein flexibles, produktunabhängiges Angebot, das den zeitlichen und finanziellen Aufwand auf Unternehmensseite minimiert, einen marktfähigen Kapital-Mix sicherstellt und so den Finanzierungserfolg optimiert. Ist für viele Unternehmen aktuell ein Hilfskredit das richtige Mittel, benötigen andere eher frisches Eigenkapital und für dritte ist vielleicht ein Aktienrückkaufprogramm der richtige Schritt. Einfache Lösungen von der Stange gibt es in der gegenwärtigen Situation nicht und klar ist auch, dass der Kapitalmarkt einige Zeit benötigen wird, um sich zu erholen.

Keine Finanzkrise 2.0

Momentum: Was stimmt Sie dennoch optimistisch?

Stewens: Wir kommen aus einer lange anhaltenden konjunkturellen Wachstumsphase. Viele Firmen haben noch vor kurzem Rekordergebnisse erzielt. Die Wirtschaft allgemein und das Bankensystem im speziellen sind viel stärker und widerstandsfähiger als beispielsweise vor der Finanzkrise. Auch die Unternehmensbilanzen sind größtenteils deutlich solider. Dazu kommt, dass Geld- und Fiskalpolitik längst sehr weitgehende Stützungsmaßnahmen ergriffen haben - von Zinssenkungen und Anleihekäufen über Zuschüsse und Hilfskredite bis zu Steuerstundungen. Konjunkturprogramme werden später sicherlich folgen. Anders als 2008 haben wir auch keine strukturelle oder systemische Krise, sondern eine Situation, die allein auf ein bestimmtes Ereignis, den Ausbruch und die Verbreitung des Corona-Virus, zurückzuführen ist und bestimmte Branchen besonders hart trifft. In der Vergangenheit waren solche Ereigniskrisen deutlich kürzer und die Erholung setzte schneller wieder ein als bei strukturellen Krisen. Der drastische Kursverfall der vergangenen Wochen differenziert aber kaum, sondern ist von Unsicherheit und Panik getrieben.

Momentum: In den vergangenen Tagen war eine leichte Gegenbewegung zu beobachten. Ist das Schlimmste schon überstanden?

Stewens: Das Epidemierisiko wurde von Politik und Wirtschaft zu Beginn weitestgehnd negiert oder ignoriert. Als dann der Realisierungsprozess einsetzte, führte dies wie angesprochen zunächst zu Unsicherheit und Panik. Jetzt sind die ersten Schockwellen vorüber und wesentliche Risiken eingepreist. Investoren werden langsam wieder anfangen nach Anlagemöglichkeiten jenseits von Gold und Staatsanleihen zu suchen. Interessant werden dabei vor allem diejenigen Unternehmen sein, die sich in dieser Krise klug bewegen und dann auch sehr attraktiv bewertet sind. Und in einigen Aspekten wahrscheinlich deutlich digitaler als noch vor wenigen Wochen. In Krisen werden eben Entwicklungen, die vorher latent waren plötzlich offensichtlich und dynamisieren sich erheblich.

Momentum: Wie digital gestaltet sich denn der Arbeitsalltag bei BankM dieser Tage?

Stewens: Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und deren Familien sowie aller Geschäftspartner steht ganz klar an oberster Stelle. Als Teil der Gesellschaft sind auch wir zudem in der Verantwortung alles zu tun, um mit unseren Möglichkeiten die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Schon sehr früh haben wir deshalb Home-Office-Lösungen implementiert. Bis auf eine Notbesetzung, arbeiten seit drei Wochen alle Mitarbeiter von daheim. Termine werden ausschließlich per Telefon- oder Videokonferenz wahrgenommen. Dass wir im Rahmen des Lizensierungsprozesses unser Risikomanagement und unsere IT-Systeme eingehend auf den Prüfstand gestellt und wo nötig erneuert haben, kommt uns in der aktuellen Situation zugute. Wir sind voll handlungsfähig und verfügen über alle notwendigen Systeme, um unsere Kunden bei der Krisenbewältigung finanzierungs- und kapitalmarktseitig zu begleiten.

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