Momentum

19.12.2017

Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen, und in Deutschland ist immer noch keine neue Regierung in Sicht. Immerhin sollen jetzt Sondierungsgespräche zwischen CDU und SPD stattfinden. Ein Thema wird dabei mit Sicherheit das Gesundheitssystem sein. Die SPD fordert eine Bürgerversicherung, CDU und CSU lehnen das bislang kategorisch ab. Anspruch gleich welchen Gesundheitssystems muss es sein, dass Patienten flächendeckend Zugang zu modernen Arzneimitteln haben. Doch insbesondere Biopharmazeutika, auf die 2025 voraussichtlich über 50 Prozent der Umsätze mit den hundert Top-Medikamenten entfallen werden, sind aufgrund ihrer komplexen Struktur und der hohen Entwicklungskosten teuer. Abhilfe schaffen könnten Biosimilars. Die Stunde der deutlich günstigeren, wirkstoffgleichen Nachahmer-Medikamente schlägt spätestens ab 2020, wenn der Patentschutz zahlreicher Referenzprodukte ausläuft. Auf die Chancen der Biosimilar-Branche und speziell der deutschen Hersteller, geht BankM-Analyst Dr. Roger Becker in unserem Aufreger des Monats genauer ein.

Ein solcher Hersteller kommt aus dem beschaulichen Martinsried. Die Formycon AG setzt auf die kommende Welle der Biosimilars und ist mit mehreren Projekten gut im Rennen. Insbesondere die Entwicklung eines Nachfolgemedikaments für das Augenheilmittel Lucentis ist weit fortgeschritten. Novartis erzielt mit dem Originalprodukt jährliche Umsätze in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro und Formycon befindet sich als weltweit einziger Hersteller in der klinischen Phase-III-Studie für die regulierten Märkte. Denn ein Biosimilar zu entwickeln ist viel schwieriger als bei normalen Generika. Das liegt daran, dass die nachzubildenden Biopharmazeutika wesentlich größere Moleküle als konventionelle, chemisch-synthetische Arzneimittel enthalten. Und genau diese Molekülstruktur muss am Anfang der Biosimilar-Entwicklung entschlüsselt werden. Warum viele Konzerne daran scheitern, erklärt Formycon-CFO Dr. Nicolas Combé im Gespräch mit BankM und gibt Auskunft zum aktuellen Stand der gesamten Projektpipeline.

Wichtige Voraussetzung im Wettbewerb mit Weltkonzernen wie Pfizer, Novartis oder Amgen ist neben der frühzeitigen Auslizensierung an potente Partner auch die Finanzierung über die Börse. Erst im Sommer hatte Formycon frische 6 Millionen Euro im Rahmen einer Privatplatzierung eingeworben. Überhaupt ist die Börse zuletzt wieder salonfähig geworden. Das Frankfurter Parkett erlebte mit 5 Neuemissionen in rund drei Wochen einen wahrhaft goldenen Oktober. Und vieles spricht dafür, dass die Entwicklung 2018 weiter an Fahrt gewinnt. Die IPO-Pipeline ist gut gefüllt, auch wir stoßen bei Mittelständlern vermehrt auf offene Ohren. Weil zudem Schwergewichte wie Siemens Healthineers, Knorr Bremse oder die Deutsche Asset Management mit den Hufen scharren, könnte 2018 das erfolgreichste Börsenjahr seit 2000 werden. Was es braucht, um den zarten Aufschwung zum Aufbau einer nachhaltigen Aktienkultur zu nutzen, analysieren wir in unserem aktuellen Blickpunkt.

Die Erwartungen an 2018 sind wie Sie sehen groß, und wir freuen uns mit Ihnen schon jetzt auf ein arbeits- und ereignisreiches Neues Jahr. Vorher aber wünschen wir Ihnen viel Vergnügen beim Lesen der aktuellen Beiträge sowie friedvolle Weihnachtstage mit Zeit für Familie und Freunde!

Herzlichst,
Ihr Axel Rose

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